Aus der Taufe glauben und leben lernen – die Aktion „tau(f)tropfen“Das Schwerpunktjahr „Kinderfreundliche Kirche“ ist mit dem Ende des Kirchenjahres 2006 ausgelaufen. Aber das Anliegen muss weitergehen! Eine Form der Fortsetzung ist die Aktion „tau(f)tropfen“, die ab Jänner 2007 in unserer Kirche angeboten und durchgeführt wird. Was sind die„tau(f)tropfen“? Im Wesentlichen arbeitet die Aktion mit 12 Ausgaben eines Journals, die aufeinander aufbauen und zentrale Themen der religiösen frühkindlichen Erziehung ansprechen. Im Lauf von vier Jahren erhalten junge Familien, in denen ein Säugling getauft wurde, diese Journale. Begleitend dazu können eine ganze Reihe von Impulsen gesetzt werden, Informationen über kinderfreundliche Veranstaltungen der Gemeinde gegeben und nach Möglichkeit auch persönliche Beziehungen geknüpft werden. Die Aktion ist vor einigen Jahren in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland entwickelt worden und wird dort mit nachhaltiger Wirkung durchgeführt. Wir sind dankbar, dass wir die Aktion nach Österreich übernehmen konnten. Es sind drei große Ziele, die mit den „tau(f)tropfen“ verfolgt werden:
Mit den „tau(f)tropfen“ können junge Familien gemeinsam glauben (neu) lernenViele Eltern erleben die Geburt ihres Kindes und das gemeinsame Leben mit den Heranwachsenden als eine spirituelle Erfahrung, die auch für sie manchmal wieder neu zentrale religiöse Fragen aufwirft. Die Taufe ist wie ein Fokus, in dem sich solche Fragen bündeln. In den Gesprächen, in denen Pfarrer und Pfarrerinnen die Taufeltern sowie Paten und Patinnen auf die Taufe vorbereiten, wird darauf ebenso eingegangen wie in den vielfältigen Veranstaltung der Gemeinde nach der Taufe, besonders den verschiedenen Formen der Tauferinnerung. Die „tau(f)tropfen“ unterstützen das, indem sie bei den Alltagserfahrungen der jungen Familien anknüpfen. In zwölf Ausgaben werden wesentliche Fragen der frühkindlichen religiösen Erziehung angesprochen und so ein Impuls gegeben, dass junge Frauen und Männer als Väter und Mütter gemeinsam mit ihren Kindern den Glauben neu entdecken und gemeinsam aus dem Glauben leben lernen. Die Themen, die angesprochen werden sind folgende: Das Gottesbild von Kindern; mit Kindern über Sterben und Tod reden; Feste und Feiern im Jahreslauf; Gute-Nacht Rituale; Kinderbibeln und –gebete, Segen und Tauferinnerung usw.
Mit den „tau(f)tropfen“ erhalten Gemeinden ein Instrument des GemeindaufbausMit den „tau(f)tropfen“ erhalten die Gemeinden ein geeignetes Medium, um die jungen Familien zu erreichen, zu ihnen den Kontakt zu halten und sie über attraktive Veranstaltungen in die Gemeinde einzuladen und so eine Bindung an die Gemeinde zu erreichen. Es ist wichtig, dass Gemeinden, die sich an der Aktion beteiligen, bedenken, dass es sich nicht um eine bloße Verteilaktion handelt. Wenn die einzelnen Journale nur zugeschickt werden, entfaltet die Aktion nicht den Sinn, der in ihr steckt. Die beste Form ist, wenn die Journale persönlich ausgetragen werden. Dazu braucht es die Mitarbeit von Ehrenamtlichen, eventuell von den Teilnehmerinnen eines Mutter-Kind-Kreises oder den MitarbeiterInnen von Krabbel- und Familiengottesdiensten. Im persönlichen Kontakt können sich Gespräche ergeben und dann und wann wird so eine Beziehung zur Gemeinde wachsen, die es sonst nicht geben würde.
Mit den „tau(f)tropfen“ nimmt die Kirche ihre Verantwortung wahr, die sie mit der Kindertaufe übernimmt.Kirchen, die Säuglinge und kleine Kinder taufen, müssen sich dessen bewusst sein, dass sie damit eine große Verantwortung übernehmen. Die Taufe darf keinesfalls folgenlos bleiben. Sie verlangt, dass die Getauften in die Gemeinde hineinwachsen und durch Bildung ihres Glaubens später zum eigenen Bekenntnis zu Jesus Christus befähigt werden. Das darf nicht den einzelnen Familien überlassen bleiben. Die Einführung des kinderoffenen Abendmahls war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg, aber weitere kirchliche Angebote wie Kinderkreis, Kindergarten und Religionsunterricht kommen für die Betroffenen erst nach einigen Jahren in Betracht. Was geschieht bis dahin? Die „tau(f)tropfen“ versuchen, diese Lücke zu schließen.
Wie kann eine Gemeinde „tau(f)tropfen“ - Gemeinde werden?Gemeinden, die sich an der Aktion beteiligen wollen, sollen wissen, dass das mit einem nicht geringen Aufwand verbunden ist. Es muss verlässlich dafür gesorgt werden, dass die jungen Familien „maßgeschneidert“ die zwölf Journale bekommen. Die Aktion läuft zumindest vier Jahre lang. Für die Durchführung in der Gemeinde muss ein/e „tau(f)tropfen“ - Beauftragte/r namhaft gemacht werden. Er/sie organisiert die Durchführung innerhalb der Gemeinde. Um die Erfahrungen mit anderen Gemeinden auszutauschen und fruchtbar zu machen, wird es zumindest einmal im Jahr ein gesamtösterreichisches Treffen geben, an dem alle „tau(f)tropfen“-Beauftragten teilnehmen. Die Durchführung dieser Treffen und die Begleitung der gesamten Aktion werden in den bewährten Händen des „Werks für Evangelisation und Gemeindeaufbau“ liegen. So ist eine gute Begleitung der einzelnen Gemeinden gewährleistet. Die Landeskirche stellt unentgeltlich die Journale zur Verfügung und übernimmt zudem die übergemeindlichen Kosten (z.B. Reise- und Aufenthaltskosten für das gesamtösterreichische Treffen). Von unseren Partnern von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche haben wir erfahren, dass die Aktion einen langen Atem und eine breite Basis der Zustimmung und Beteiligung in der Gemeinde braucht. Wo sie aber durchgeführt wird, unterstreicht sie die Bedeutung des taufenden Handelns der Kirche und erinnert an die Mahnung Luthers aus dem Großen Katechismus, dass jeder und jede die Taufe halten soll wie das tägliche Kleid, darin wir immerdar wandeln. Dr. Michael Bünker, Bischof
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