Mutig Veränderung gestalten. Europäische Erfahrungen
Die intensive Veränderungsdiskussion unserer Kirche („Naßwalder Modell“) hat - neben durchwegs begründeter Ablehnung – bei Vielen Sehnsucht und Bereitschaft geweckt, Kirche und Glaubensleben neu zu denken, ja neu zu gestalten.
Die europäische Kirchenkrise – Herausforderung zur Evangelisierung
Die von unserm Bischof Dr. Michael Bünker als Generalsekretär der GEKE mit herausgegebene Broschüre „Evangelisch evangelisieren“ beschreibt eine Reihe von Trends unserer Zeit, die auf eine einladende und hilfreiche Antwort aus dem Evangelium warten
Von der fortschreitenden Säkularisierung über Traditionsabbrüche und massiver Veränderung der Lebens- und Arbeitswelt durch die Leistungsund Mediengesellschaft, Gesundheitskult, Institutionsverdrossenheit, religiöser Pluralismus samt Mitgliederschwund der Kirchen bis zu Überalterung und weltweiten Migrationsbewegungen und nicht zuletzt die akute Finanz- und Weltwirtschaftskrise mit all ihren Folgen. Dazu kommt die absehbare Unfinanzierbarkeit des bisherigen Kirchensystems....
All das braucht hoffnungsvolle missionarisch-diakonische Ansätze, wobei die (neue) Struktur flexibel unterstützende (nicht bremsende) Funktion hat.
Hoffnungsvolle Beispiele aus Europa auf dem Weg zu einer „missionarischen Kirche“:

Deutschland: Aus dem Reformansatz „Kirche der Freiheit“ nach der Evangelisations-Synode 1999 ist ein landesweiter Prozess „Kirche im Aufbruch“ geworden. Vieles kam in Bewegung unter dem Motto: „Wer glaubt, kann nicht stumm bleiben, sondern muss von der Liebe Gottes reden und danach handeln“. Eine Fülle von missionarischen Initiativen spricht besonders die Menschen von heute in ihrem Kontext an, lädt sie zum Glauben ein und bietet ihnen zeitgemäße Formen von Gottesdienst und Gemeinschaft. Unterstützt durch ermutigende theologische Kongresse, praxisnahe Literatur und Vernetzung/Austausch via Internet (zB.: www.kirche-im-aufbruch.ekd.de). Lebensnahe, kommunikative Glaubenskurse (zB. ‚Emmaus’) helfen dabei, neue – erwachsene – Sprachfähigkeit und Zugang zum Glauben anzubieten. Von der „Kommet her“ (Einladungs-) zur „Gehet hin“ (Beteiligungs–) Kirche! Hilfreiche Anleihen und Impulse dazu kamen aus der Anglikanischen Kirche.
England: Ausgehend von schmerzlichen Rückgängen hat sich die Church of England in den 1990´er Jahren auf einen mutigen Weg gemacht. Jährlich werden 10% des Kapitals dafür investiert – wie bei einer innovativen Firma in Forschung & Entwicklung! Die Schlagworte ‚mission shaped church’ (Mission bringt Gemeinde in Form), ‚church plantings’ (Gemeindepflanzungen), ‚fresh expressions’ (Frische, mutig- neue Ausdrucksformen von Kirche für die Menschen von heute, besonders die „Kirchenfernen“) und ‚emerging church’ (sich entwickelnde / verändernde / neu formende Kirche mit starker Relevanz zu Kultur und Lebensgefühl der postmodernen Zeit) beschreiben diese Strömungen.
Die Anglikanische Kirche ist heute wieder belebt durch eine Fülle neuer Formen von Evangelisation, Gemeinschaft, gelebter Nächstenliebe (Diakonie) und Spiritualität für alle Milieus der Gesellschaft! Bishop Nick Baines, der die EKD zu diesen missionarischen Aufbrüchen berät, wird uns beim Frühjahrskongress 2009 an diesem Erfahrungsschatz teilhaben lassen!
Gerald Wakolbinger